Das Radio wurde durch den Fernseher ersetzt, der Fernseher vom Internet. Die Schallplatte wurde erst von der Kassette verdrängt, welche von der CD verdrängt wurde. Und jetzt gibt es fast nur noch die MP3. Nun scheint das selbe Schicksal auch das Buch zu ereilen. Von seinem Thron herunter stoßen will es das eBook. Und zwar mit aller Kraft. Und wie das üblich ist, stürzt es sich natürlich zu aller erst auf die Schwächen des Buches: Unhandlichkeit, Gewicht, Platzprobleme – in jedem Buch ist ja meistens schließlich auch nur ein Buch. Dem gegenüber steht der eBook Reader: Klein und zierlich, schickes Outfit, schlank und trotzdem sehr viel Platz. Da kann das Buch nur schlucken.
Die neue Generation
Was es bei den Vorgängern dieser Generation des elektronischen Buches noch zu meckern gab, wurde ausgemerzt. Diese waren noch relativ schwer – denn um mit dem klassischen Buch mitzuhalten, musste es natürlich leichter sein – und die Bildschirme waren noch denen eines Computers ähnlich: Glänzend und im Sonnenschein gänzlich unbrauchbar. Auch Tablet PCs, vom Äußeren her fast genau so wie ein eBook Reader, eignen sich immer noch nicht wirklich zum Bücherschmökern. Doch diese neue, junge, frische Generation eBook Reader, an denen gibt es wirklich nichts mehr auszusetzen. Das Display sieht sogar aus wie eine Buchseite, es blendet nicht, es ist selbst bei direkter Sonneneinstrahlung völlig unbeeindruckt und kann im Dunkeln beleuchtet werden. Also Lesen unter der Bettdecke, ohne Taschenlampe im Mund oder irgendwie umständlich in der Bettdecke eingeklemmt, die langsam zu schmoren anfängt.
Was ist mit Eselsohren?
Aber! möchte man einwerfen, aber da gibt es doch Dinge, die man nur mit einem Buch machen kann: drin herum kritzeln, Eselsohren knicken… Wenn das mal so wäre. Aber nein! Das kann ein neues eBook auch. Mit einem kleinen Plastikstift kann auf diesem unglaublichen Papier-Bildschirm nach Herzenslust malen und notieren, mit dem Finger kann man Seiten einknicken. Und dann kann man schnell und übersichtlich seine gesetzten Notizen wiederfinden – anders als beim Papierbuch. Und das ist noch nicht alles: Je nach eBook Reader hat man Unmengen Speicherplatz entweder auf dem Gerät selbst, welches man natürlich mit seinem Computer synchronisieren kann, oder in der Cloud, wie es bei Kindle der Fall ist. Das kann jedoch auch als Nachteil gewertet werden, da in diesem Fall die Daten alias Bücher nicht zu hundert Prozent gesichert sind. Viele Reader haben mittlerweile auch WLAN, sodass gleich vom Gerät aus im Internet neue eBooks gekauft werden können. Achja, ausleihen kann man natürlich auch. Und oftmals sind die elektronischen Ausgaben der Werke günstiger, als das Papier.
Die Gefahr lauert im Netz
Aber Fakt ist: So ein eBook Reader hat natürlich keine interessante Geschichte hinter sich, wie so manch ein Buch. Auch riecht es nicht gleich, das haptische Erleben ist ganz anders. Keine Papierseiten mehr in der Hand, kein Umblättern mit angelecktem Finger. Und seine Bücherregale kann man auch nicht mit elektronischen Daten schmücken. Es gibt zudem noch nicht so viele elektronischen Bücher, wie es Bücher gibt, das ist klar. Aber die Digitalisierung birgt vor allem eine große Gefahr. Dass den E-Büchern nämlich das gleiche Schicksal blüht, wie den CDs: Opfer der Piraterie zu werden. Am Ende kann man sich illegal und kostenlos Bücher im Internet ziehen, das Urheberrecht würde dann mit Füßen getreten. In vielerlei Hinsicht können die eBook Reader also doch nicht mit dem Klassiker Buch mithalten. Aber trotz allem: In vielerlei Hinsicht sind die eBooks auch besser, als man denkt. Bleibt also abzuwarten, wie sich die Verteilung in diesem Fall des technologischen Fortschritts entwickelt. Und die Geschichte zeigt, was die restlichen verdrängten Medien gemeinsam haben: Sie alle existieren noch. Wenn auch nur bei Liebhabern und Sammlern, in Regalen und auf Dachböden. Wollen wir für das Buch mehr hoffen.
Bildquelle: goXunuReviews/ flickr.com

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